Über das Lob

Warum ich nicht mehr lobe und ich Lob nicht mit meinen Werten überein bringen kann

Bis zu dem Zeitpunkt als meine erste Tochter geboren wurde, hielt ich Lob für etwas selbstverständliches. Ich war begeistert davon Kinder zu loben, wenn ihnen etwas gut gelang. Ich machte mir darüber keine Gedanken.

Als meine große Tochter auf die Welt kam, stieß ich auf Seiten wie gewünschtetes Wunschkind oder auch das Buch „Eigenständigkeit und Liebe“ von Alfie Kohn. Ich begann zu verstehen, dass Lob mein Kind an der Bedingungslosigkeit meiner Liebe zweifeln lassen kann und, dass Lob „von oben herab“ wirken kann. Beides wollte ich auf keinen Fall.

 

Wenn wir auf das Lob setzen, setzen wir auf Verhaltensmanipulation

Mit der Geburt meiner zweiten Tochter las ich mich erneut vertieft und weiterführend in die Literatur ein. Dieses Mal führten mich die Recherchen zu der Frage: Was will ich eigentlich leben? Wofür stehe ich und was sind meine Werte, die ich für lebenswert halte? In diesem persönlich weitreichenden Umbruch stieß ich auch erneut auf das Thema „Loben“ und lehnte das Loben von Kindern rigoroser ab als jemals zuvor. Ich glaube, dass das Loben von Kindern gemein ist und nicht mit meinen Werten vereinbar ist. Zumindest DANN, wenn damit gleichzeitig eine Verantwortungsabgabe verbunden ist. Dann hat loben für mich nichts mit friedvoller Elternschaft zu tun, die auf Gleichwürdigkeit basiert. Für mich ist die gezielte Manipulation von Verhalten gewaltvoll. Ich lobe mein Kind DAMIT es genau das tut, was ich möchte (sprich: Gehorsam zeigt).

 

Und was, wenn mein Kind wissen möchte, ob es etwas toll gemacht hat?

Ich kenne das. Meine Tochter ist inzwischen 3 1/2 Jahre. Damit ist sie in einem Alter, in dem sie beginnt Fragen zu stellen. Neulich fragte sie mich: „Hab ich toll getanzt, Mama?“ Ich war ein wenig irritiert und fragte zurück, ob sie denn fände, dass es toll gewesen sei. Sie bejahte zwar, bestand aber auch auf meine Meinung. Ich gab ihr, was sie brauchte. Und es entspann sich darüber ein gemeinsames Gespräch über unterschiedliche Meinung und Einstellungen.
Für mich war in dem Moment eine andere Haltung ausschlaggebend. Ich dachte nicht, dass ich das bewusst anwende DAMIT sie sich entsprechend verhält, sondern um mich auszudrücken.

 

Über echte Wertschätzung

Trotz der vielen Literatur, die sich inzwischen mit diesem Thema auseinander setzt begegne ich regelmäßig Eltern, die mir mitteilen, dass Loben aber doch etwas wunderbares sei. Ich glaube, was sie meinen ist: Die bedingungslose, tiefe Liebe, dem Gefühl der Verbindung zu meinem Kind Ausdruck zu verleihen, ist etwas Wunderbares. Meinem Kind ehrliche Wertschätzung zu vermitteln, ist für mich etwas anderes als der Versuch das Verhalten meines Kindes zu steuern. Ich teile meiner Tochter mit, dass ich unglaublich stolz bin ihre Mama sein zu dürfen, dass ich so wahnsinnig dankbar bin für all das, was ich von ihr lernen darf. Ich freue mich ehrlich mit ihr, wenn sie etwas Neues gelernt hat. Ich bin authentisch. Ich zeige mich.

Ich kenne Menschen um mich herum, die Kinder rigoros loben.

 

„Das hast du toll gemacht.“

„Das hast du super gemacht.“

„Das hast du ganz prima gemacht.“

 

Mich triggert das sehr. Ich halte das nicht mehr gut aus. Ich für mich möchte meinen Kindern auf Augenhöhe begegnen.

„Und Kinder sollten sich frei entwickeln können, ohne das ihr Verhalten bewertet wird. Ohne, dass sie durch Lob dazu gebracht werden Dinge zu tun die „erwünscht“ sind. Denn unsere Kinder sind gut so wie sie sind.“ (beziehungsweiseliebe)

 

Weiterführende Literatur zum Thema:

BeziehungsweiseLiebe: Lob, die kleine Schwester der Strafe – Warum Kinder kein Lob brauchen.

Gewünschtetes Wunschkind: Warum wir Kinder nicht loben sollten

Huffingtonpost: Das passiert im Gehirn von Kindern, wenn wir sie loben.

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