Über die Bedeutung von Macht in der Beziehung zu meinen Kindern

Mein persönlicher Antriebsmotor für die Auseinandersetzung mit mir selbst

 

Ich widme mich heute einem Thema, das ich für außerordentlich wichtig finde. Es macht für mich die Bedeutung klar, wie wichtig es für mich ist mich mit dem Thema friedvolle Elternschaft auseinander zu setzen. Es stellt für mich quasi den Antriebsmotor dar, mich mit meiner eigenen Haltung und der Verbindung zu mir selbst und meinen Kindern auseinander zu setzen.

Gleichzeitig ist es ein in meinen Augen herausforderndes Thema. Es geht mir um das Thema: Macht in Eltern-Kind Beziehungen. Es fordert heraus. Es macht die Tragweite dessen deutlich, mit dem ich mich auf meinem Blog auseinander setze. Es offenbart wie kein anderes Thema welche Chancen wir haben, aber auch wie bedeutungsvoll, wie tiefgreifend die Auseinandersetzung mit uns selbst ist.

 

Was ist Macht eigentlich?

Ich definiere Macht so:

Macht bezeichnet sozialwissenschaftlich […] die Fähigkeit einer Person oder Interessengruppe, auf das Verhalten und Denken einzelner Personen, sozialer Gruppen oder Bevölkerungsteile einzuwirken.“ (Kaiser 2017)

In Eltern-Kind Beziehungen liegt ein derartig enormes Machtgefälle vor, was sich so in keinem anderen sozialen Gefüge wieder finden lässt. In Eltern-Kind Beziehungen liegt die GESAMTE Macht bei den Eltern. Unsere Kinder sind in psychologischer und physischer Weise in ihrer gesamten EXISTENZ lange, lange Zeit von uns als Eltern ABSOLUT abhängig. Sie würden lange Zeit STERBEN, wenn wir als Eltern uns entscheiden würden, dass wir uns nicht mehr um sie kümmern. Ich glaube, dass es SO SO wichtig ist, dass wir uns dem bewusst werden, dass wir uns das deutlich vor Augen führen!

 

Der Begriff „Machtkampf“ in Bezug auf die Beziehung mit Kindern erweckt unfaire Assoziationen

Der Begriff „Machtkampf“, die Vorstellung davon, dass Kinder mit uns MACHTKÄMPFE ausfechten wollen ist schlicht unfair. Kinder haben keine Wahl. Letzten Endes treffen wir als Eltern ALLE Entscheidungen. Letzten Endes sind wir es die sagen können: „Nein. Das machst du nicht!“ IMMER! Wir treffen ALLE Entscheidungen. Unser Kind ist uns de facto in jeglicher Hinsicht absolut unterlegen und von uns durch und durch abhängig. Es ist vollkommen machtlos, während wir als Eltern die völlig Macht inne haben.

 

Warum es so wichtig ist, achtsam mit dieser Macht umzugehen

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir uns von dieser gewaltigen Vorstellung nicht lähmen lassen. Es ist wichtig, dass wir uns nicht in die Opferrolle begeben und denken, dass alle unsere Fehler nun dazu führen, dass unsere Kinder psychisch krank werden und wir ihr Leben ruinieren. Aber ich glaube, dass es enorm wichtig ist, dass wir anfangen mit diesem Wissen achtsam umzugehen. Und ich glaube, dass es von Bedeutung ist, dass wir in die Verantwortung zu kommen und uns deutlich machen, was dieses Machtverhältnis für Auswirkungen hat. Dein Kind liebt dich abgöttisch, es ist mit seiner gesamten Existenz von dir abhängig und MUSS zuiefst glauben, was du ihm vermittelst. Kinder haben KEINE Chance zu sehen, dass nicht sie selbst (und Kinder trennen NICHT zwischen ihrem Verhalten und sich selbst) ein Problem haben sondern ihre Eltern. Sie neigen dazu, sich für die Probleme und Gefühle der Eltern verantwortlich zu fühlen.
Wenn Eltern ihren Kindern strafen, schimpfen, kritisieren etc., beginnen diese zu glauben, dass ihre Eltern das tun MÜSSEN, weil sie so sind wie sie sind. Und diese Überzeugungen werden mit ins Erwachsenenalter übernommen. Es wird glauben, was DU über es denkst und es wird diese Überzeugungen als Glaubenssätze, Vorstellungen über sich selbst und den inneren Kritiker ins Erwachsenenalter mitnehmen.

 

Über die Produkte von Erziehung

Die Auswirkungen von Erziehung sind – wie oben bereits angedeutet – verheerend. So ist der innere Kritiker ein Produkt dieser. Meine Eltern haben mich für chaotisch und unordentlich gehalten. Sie haben versucht mich zur Ordnung zu erziehen. Ich kämpfe bis heute gegen diese Idee an unordentlich zu sein. Sie hätten von mir auch denken können: Unsere Tochter sorgt für sich und kümmert sich um die Dinge, die ihr bedeutsam sind. Meine Eltern hätten mir diese Haltung vermitteln können, mit der ich ein anderes Bild von mir selbst und eine andere Einstellung mir selbst gegenüber gehabt hätte. Genauso habe ich lange geglaubt, dass ich anstrengend bin. Meine Eltern haben mir oft genug den Eindruck vermittelt: Ich bin anstrengend und genau das habe ich lange über mich selbst geglaubt. So trägt jeder von uns Bilder über sich selbst mit sich mit, die wir von unseren Eltern mit auf den Weg bekommen haben. Wir haben zutiefst glauben müssen, dass das was unsere Eltern von uns denken, WAHR ist. Auf diese Weise werden die Vorstellungen von Tyrannen-Kindern, ungezogenen und braven, artigen Kindern (immer dann wenn diese ruhig und still sind), von frechen, dreisten, respektlosen Kindern, von faulen und unordentlichen Kindern in die nächste Generation weiter gereicht. So entsteht die Vorstellung davon, dass Kinder für die Gefühle ihrer Eltern verantwortlich sind, für die Einteilung von positiven und negativen Gefühlen, und auch wie oben schon geschrieben der innere Kritiker. Die Vorstellung davon, dass wir machtlos sind, manche Dinge eben sein müssen und wir sowieso nichts ändern können (erlernte Hilflosigkeit), resultiert aus unserer Kindheit.

Ich glaube auch, dass hieraus auch Annahmen resultieren wie:

Das (und hiermit sind Gewalteinwirkungen gemeint) hat mir doch auch nicht geschadet.“

oder:

Ein Klaps schadet nicht!“ (DOCH! Tut er!),

Ich bin doch auch groß geworden!“
(Da schwingt für mich die Frage mit: Trotz was jetzt genau?)

All dies sollte uns nicht dazu bringen zu sagen: Na klasse! Ich hab sowieso schon alles in den Sand gesetzt. Ich kann es sowieso nicht richtig machen. (siehe hierzu auch den Artikel: Es ist nie zu spät um anzufangen!) Das bedeutet NICHT, dass wir alles hinschmeißen sollen. Es bedeutet nicht, dass wir uns massive Schuldgefühle einreden sollten, uns lähmen lassen und in Passivität verfallen sollten.

 

NEIN!

Wir dürfen die RIESEN CHANCE sehen!

DIE CHANCE,
die dahinter steckt, wenn wir achtsam mit der Macht umgehen, die wir als Eltern haben.


HIER UND JETZT

  • sind wir Eltern
  • sind wir in der Verantwortung
  • können wir uns ganz bewusst dafür entscheiden, es anders zu machen.
  • Können wir uns dafür entscheiden, unser Päckchen abzutragen und unseren Kindern ein anderes MindSet mit auf den Weg zu geben.

 

DAS bedeutet, dass wir uns auf den Weg begeben

  • zu uns selbst

  • zu einer veränderten inneren Haltung

  • zu einem anderen MindSet

  • zu einer inneren Klarheit über das, was ich leben möchte


Und dazu gehört es Fehler zu machen.
Das ist okay.

Ich freue mich riesig, dass DU hier bist.


„Jedem Menschen werden vom Leben Fragen gestellt.
Und die kann er nur für sein eigenes Leben beantworten. Vor dem Leben selbst kann er sich nur verantworten, indem er verantwortlich ist.“
– Viktor Frankl –

 

Weiterführende Literatur zum Thema:

Der Kompass: Ich hab hier das Sagen! Über Macht und Ohnmacht in Eltern-Kind-Beziehungen

 

3 Kommentare zu „Über die Bedeutung von Macht in der Beziehung zu meinen Kindern

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