Was mein Menschenbild mit dem Umgang meiner Kinder zu tun hat

Eine Theorie, auf die ich mein Denken fuße, ist die des humanistischen Menschenbild. Ich werde kurz erläutern, was unter einem Menschenbild und was unter Humanismus zu verstehen ist. Anschließend zeigen ich auf was dies für mich für den praktischen Umgang mit Kindern bedeutet. Viel theoretisches Blabla 🙂 , aber ich glaub, dass es nützlich sein kann, um meine Denkweise zu verstehen.

Menschenbilder sind zunächst einmal „Vorstellungen über grundlegende Wesensmerkmale des Menschen“ (Maier o.J.). Sie beschreiben also, was den Kern des Menschen ausmacht, behandeln das Wesen des Menschen. In der Praxis spielen diese Menschenbilder für uns eine massive Rolle, auch wenn dies unbewusst abläuft. So beeinflussen maßgeblich unser Denken: Über uns selbst und andere. Hierzu gehört auch das Denken über unsere Kinder. Gehe ich davon aus, dass mein Kind erst zu etwas werden muss, dass ich es zu etwas machen muss? (Stichwort: Strafen)
Oder ist es schon und darf es sein, wie es ist?

Als Menschenbilder gelten zum Beispiel das humanistische Menschenbild, das sozialistische Menschenbild und das christliche Menschenbild. Ich gehe von einem humanistischen Menschenbild aus, das Meinung nach die Grundlage für einen respektvollen, würdevollen und achtsamen Umgang mit unseren Kindern darstellt.

Das humanistische Menschenbild

Das humanistische Menschenbild lässt sich in fünf Grundannahmen zusammen fassen:

Der Mensch hat einen konstruktiven Kern
* Der Mensch strebt danach, sein Leben selbst zu bestimmen, ihm Sinn und Ziel zu geben Autonomie.

* Alle Menschen sind gleichwertig und gleichberechtigt – Die Würde des Menschen ist unantastbar.

* Der Mensch ist eine ganzheitliche (Körper-Seele-Geist) Einheit – Ganzheitlichkeit.

* Der Mensch lebt im Spannungsfeld: Autonomie – Interdependenz

Diese Annahmen liegen auch unserem Grundgesetz zugrunde, in dem es heißt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, und der Mensch ein Selbstbestimmungsrecht hat. Innerhalb des Humanismus wird der Mensch als ein Geschöpf verstanden, dass nach Selbstverwirklichung strebt, das sich gemäß seiner Möglichkeiten entwickelt und entfaltet. Dabei befindet sich der Mensch von Natur aus im Spannungsfeld zwischen sich selbst und gleichzeitig als Teil des Ganzen (Wechselspiel von Integrität und Kooperation, ich kann hier die Bücher von Jesper Juul empfehlen 🙂 ).

Was bedeutet diese hochtrabende Theorie für den Umgang mit unseren Kindern?

Unsere Aufgabe ist es, Kinder von Geburt an würdevoll zu begleiten, sie im Wachstum zu unterstützen, indem wir ihre Bedürfnisse, die sie von Geburt an klar artikulieren können, ernst nehmen und erfüllen. Und gleichzeitig dürfen wir davon ausgehen, dass unsere Kinder aufgrund dessen, dass sie von Beginn an auf das Wechselspiel zwischen Autonomie und Interdependenz (Annahme: Menschen sind gegenseitig aufeinander eingestellt und angewiesen) als Teil der Gemeinschaft für diese beitragen wollen. Sprich: Der Mensch will sich so in die Gemeinschaft einbringen, dass diese Bestand hat. Auch unsere Kinder, von Anfang an. Hierzu müssen wir sie nicht erst zu etwas machen, wir dürfen darauf vertrauen, weil es die Natur des Menschen ist. Aber Kinder brauchen Erwachsene, von denen sie erfahren dürfen, wie es gelingen kann, sich in die Gemeinschaft einzubringen, zur Gemeinschaft beizutragen. Kinder brauchen Erwachsene, die ihr Leben nach Werten der Gewaltlosigkeit, des Respekt und der Gemeinschaft ausrichten. Und das NICHT um das Kind zu etwas zu machen oder zu etwas zu bringen, sondern im Vertrauen in unsere Kinder, und den Menschen an sich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s